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  KURZNACHRICHTEN  

           
   
ERSC Ottobrunn
(BLL)  Filippo Crivellari verstärkt künftig die Defensive. Der 21-jährige Italiener kommt vom HCMV Varese zum ERSC. Ausserdem wechselt der junge ukrainische Stürmer Arsen Korol aus dem Münchner Nachwuchs nach Ottobrunn
  
Lindau Islanders
(OLS)  Stürmer Valentin Busch hat sich eine Unterkörperverletzung zugezogen und wird längerfrstig und aus unbestimmte Zeit ausfallen
  
Crocodiles Hamburg
(RLNO)  Torhüter Lucas Di Berardo kehrt zu den Hanseaten zurück. Der 31-Jährige spielte bereits in der Saison 2017/18 für die Crocodiles in der Oberliga. In den vergangenen zwei Jahren ging er für den ERSC Amberg in der Bayernliga aufs Eis
  
Weserstars Bremen
(RLNO)  Stürmer Maximilian Herz kehrt nach einer Saison in der Verbandsliga beim REV Bremerhaven zu den Weserstars zurück. Der 26-Jährige konnte in 14 Spielen beachtliche 23 Tore und 23 Assists erzielen. Aus dem Nachwuchs des REV kommt zudem der junge ukrainische Stürmer Maksym Kovtun nach Bremen. Ausserdem haben Verteidiger Alexander Lutzow, sowie die Stürmer Niklas Apelt und Alexander Yevgenyev ihre weitere Zusage gegeben
  
Harsefeld Tigers
(RLNO)  Mit den Verlängerungen von Stürmer Philipp Bergmann und Torhüter Thomas Schubert haben die Tigers ihre Kaderplanungen für die neue Saison abgeschlossen
  
TSVE Bielefeld
(LLW)  Mit Aleksandr Galimov kommt ein neuer Goalie zum TSVE. Der 33-jährige Russe wechselt von den EC Celler Oilers nach Bielefeld. Ausserdem kommt mit Alexander Penner ein neuer Verteidiger vom Ligakonkurrenten ESC Kristall Lippstadt
  
Troisdorf Dynamite
(LLW)  Verteidiger Patrik Morys wird seine aktive Laufbahn aus beruflichen Gründen beenden. Fünf Jahre lang spielte der Routinier für den EHC
  
Eispiraten Crimmitschau
(DEL2)  Die Fischtown Pinguins haben die beiden jungen Stürmer Lenny Boos und Florian Reinwald mit Förderlizenzen für die Westsachsen ausgestattet
  
EHC Klostersee
(BYL)  Die Grafinger haben nochmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen und haben Stürmer Marvin drothen verpflichtet. Der 24-Jährige verfügt über DEL2-Erfahrung aus seiner Zeit in Ravensburg und spielte in den letzten Jahren in der Oberliga für Memmingen, Bayreuth, Bietigheim und Heilbronn 
  
Selber Wölfe
(OLS)  Um die Ausfälle zu kompensieren erhalten die Wölfe Unterstützung durch Förderlizenzspieler. Die Blue Devils Weiden haben Georg Thal mit einer Spielberechtigung ausgestattet und der ERSC Amberg hilft mit Lukas Krieger aus. Ausserdem hat Stürmer Matej Giesl einen Probevertrag erhalten. Der junge Stürmer wechselt fest von den Wild Lions nach Selb
  
Erding Gladiators
(OLS)  Die drei Landshuter DNL-Cracks Ferdinand Schlepp, Nikita Kolomejtsev und Julian Lier sind mit Förderlizenzen für die Gladiators ausgestattet worden
  
EHC Mitterteich
(BLL)  Die Stiftland Dragons haben ihre Torhüterstelle neu besetzt. Ondrej Pesek steht künftig im Gehäuse des EHC. Der 23-jährige Tscheche spielte in den letzten Jahren in der vierthöchsten Liga seines Heimatlandes und ging dort für den HC Certi Ostrov aufs Eis
  
EC Pfaffenhofen
(BBZL)  Mit Ondrej Vaculik kommt ein neuer Stürmer zum ECP. Der 26-jährige Tscheche ging bereits in der Saison 23/24 in der Bayernliga für die Pfaffenhofener aufs Eis. Zuletzt spielte er für den ESV Burgau
  
Stuttgart Rebels
(OLS)  Adam Zoweil konnte im tryout überzeugen und erhält einen festen Vertrag bei den Rebels. In der letzten Saison spielte er noch für die Füchse Duisburg in der Oberliga Nord
  
Wanderers Germering
(BLL)  Ferdinand Inselkammer, der letztes Jahr aus Bad Tölz kam, verteidigt weiter für die Wanderers. In der letzte Saison kam der 21-Jährige allerdings nur zu zwei Spieleinsätzen. Zudem wird Verteidiger Tim Sager in sein drittes Jahr in germering gehen
  
Herne Miners
(OLN)  Stürmer Davyd Makutsky wird ein Tryout beim HEV absolvieren. Der 27-jährige Stürmer, der auch am Wochenende zum Einsatz kommen wird, spielte zuletzt für den Ligarivalen Herforder EV. Im Trikot der Ice Dragons brachte er es in 52 Partien auf 9 Tore und27 Assists

   

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Große Bühne zum Abschied eines großen Spielers - Bundestrainer Kreis lobt Christoph Ullmann in die Hall of Fame

(DEL)  Das Gesicht war verzehrt, Christoph Ullmann humpelte. Er sah nicht gerade glücklich aus, während um ihn herum im Augsburger Curt-Frenzel-Stadion recht ausgelassene Stimmung herrschte. Er schien schon etwas zu ahnen, während um ihn herum an diesem Sonntagabend im Januar 2020 noch das erste Drittel gegen die Straubing Tigers lief. Die Hoffnung der Fans der Panther, den Sprung in die Playoffs am Ende einer durchwachsenen Saison noch zu schaffen, lebte noch. Doch ausgerechnet „Ulle“, wie man ihn in der ganzen Eishockey-Republik nur noch nannte, würde tragischerweise nicht mehr dabei sein. Es war sein letzter Arbeitstag nach einer herausragenden 19-jährigen Karriere im deutschen Profi-Eishockey: 918 DEL-Partien (224 Tore, 261 Assists), drei Meisterschaften, 10 WM-Teilnahmen und 156 Länderspiele.

Eine Karriere, die in Waldkraiburg begann und wo ihm durch Vater Peter, der selbst 1971 Spieler der ersten Waldkraiburger Eishockeymannschaft – damals noch unter dem Dach des VfL - war, in die Wiege gelegt wurde. Die Tür öffnete aber Günther Pfohl: Als Eismeister und Nachwuchsleiter in Personalunion ging er in die Kindergärten und Schulen der damals noch blühenden Industriestadt und versuchte die Kinder für die schnellste Mannschaftssportart der Welt zu begeistern. „Wir kamen aus dem Kindergarten und wollten alle nur noch Eishockeyspielen“ erinnert sich Jürgen Lederer, nach erfolgreicher Spielerkarriere heutiger Cheftrainer der „Löwen“ und seit Kindheitstagen einer der besten Freunde von „Ulle“, der 50 Meter von ihm entfernt im Waldkraiburger Westen aufwuchs. „Er war von Beginn an der komplettere Spieler verglichen mit uns“ so Lederer weiter. In seiner letzten Station bei den Löwen, der Schülermannschaft, nahm Peter Rohatsch den jungen Christoph unter seine Fittiche. Er denkt gern an die Zeit zurück: „Das war die beste Schülermannschaft, die Waldkraiburg je gehabt hat. Und so eine werden sie wahrscheinlich auch nie mehr haben. Ich habe diese Knabenmannschaft von Miro Klapatsch übernommen und das hat mir riesig Spaß gemacht“ erinnert sich der inzwischen 72-Jährige. Mit Martin Walter, der später ebenfalls in der DEL spielte, Peter Richter oder Jürgen Lederer, die im Seniorenbereich ihre Spuren hinterlassen sollten. Ullmanns Talent blieb Rohatsch nicht verborgen: „Er war bei mi Mittelstürmer und man hat gesehen: Der ist überragend, hat fast jedes Bully gewonnen und gute Hände gehabt. Wenn er vor der Kiste war, hat er das Ding oben reingesetzt. Man hat gesehen, da ist Potenzial da“ so Rohatsch weiter, der in den letzten Jahren noch Scout für die Eisbären Berlin war. „Als er gegangen ist, habe ich ihm gesagt: Talent allein reicht nicht. Du musst hart an Dir arbeiten, Deinen Weg gehen. Und wenn ich ihn heute noch ab und zu treffe, denke ich mir: Alles hat er nicht verkehrt gemacht“ freut sich Rohatsch lachend. Viel Eishockey mit Spielen für bayerische Auswahlmannschaften harmonierte in der Folge aber nicht so wirklich mit den schulischen Leistungen von „Ulle“. Wie später oft in den Abwehrreihen seiner Gegner, fand der Mittelstürmer aber einen Weg. „Er hat sich auf eine Anzeige in der Eishockeynews gemeldet und war dann zum Probetraining hier“ erzählt Rodion Paules, der seit 1995 die Nachwuchsgeschicke beim KEC, dem Stammverein der Kölner Haie, leitet. „Er war ein pfiffiges Kerlchen, technisch sehr gut- mit ein paar Defiziten im Kraftbereich. Aber ein sehr guter Schlittschuhläufer. Aber er war aufgeweckt und voller Tatendrang“ so der 60-Jährige weiter.

Mit 16 Jahren vom Land in die Großstadt

1999: Ullmann ist gerade 16 Jahre alt geworden und aus Waldkraiburg geht es nach Köln. Alleine. Ausgerechnet er, der immer mit seinen Jungs unterwegs war. „Wir haben ab und zu telefoniert- Facebook oder Whatsapp gab es da noch nicht- ich glaube wir haben uns sogar Briefe geschrieben“ erinnert sich EHC-Coach Jürgen Lederer an die Zeit. Kulturschock aber Fehlanzeige, in Ullmanns Gastfamilie Langer klappt die Integration bestens, der Kontakt besteht bis heute. Auch die schulischen Leistungen wurden besser, aber: „Wie er sich das Abitur ergaunert hat, ist mir bis heute ein Rätsel“ lacht „Ulles“ Kumpel Lederer und die sportliche Karriere nimmt gleichzeitig Fahrt auf. Im ersten Winter spielt er in drei Teams: In der zweiten Mannschaft der Herren in der Regionalliga (21 Spiele/ 11 Tore/ 21 Vorlagen), der U18 in der Jugend-Bundesliga (9/ 15/ 20) und schon „oben“ bei der U20 in der Junioren-Bundesliga (38/ 34/ 31). Zudem gibt es erste Spiele für die deutsche Nationalmannschaft in der U17. Ein Jahr später wurde die Deutsche Nachwuchsliga (DNL) eingeführt, Ullmann punktet dort und in der zweiten Mannschaft, mit der er die Regionalliga Nordrhein-Westfalen gewinnt und auch die Trainer der Profis werden auf ihn aufmerksam. „Mein Eindruck von ihm war: Der versteht was von Eishockey und hat etwas, das man nicht lernen kann. Nämlich ein ausgeprägtes Verständnis für das Spiel“ erinnert sich Harold Kreis, der aktuelle Nationaltrainer der deutschen Nationalmannschaft und damals Co-Trainer bei den Kölner Haien. „Und ich sage mal so- er hatte auch damals schon ein ausgeprägtes Selbstvertrauen“ so Kreis lachend weiter. „Ich will nicht sagen, dass er untrainierbar war. Aber er hatte schon seine eigene Vorstellung, wie man spielt und sich nicht in Spielstrukturen hineinzwängen lassen. Er hatte immer ein Lächeln im Gesicht, einige hätten das als Überheblichkeit interpretiert- aber das war überhaupt nicht der Fall“ erklärt der Trainer des amtierenden Eishockey-Vizeweltmeisters. In der Saison 2001/ 2002 geht Ullmanns Traum in Erfüllung: Gegen München macht der Oberbayer unter Lance Nethery sein erstes Spiel in der DEL. Die Saison selbst ist hektisch im Kölner Haifischbecken: Nethery startete zwar an der Bande, Rich Chernomaz ersetzte ihn aber bald und brachte die Domstädter wieder in Spur. Ullmann spielte gleichzeitig per Förderlizenz bei Zweitligist Duisburg, doch mit Köln wird er am Ende der Saison 2002 erstmals Deutscher Meister. 17 Spiele und eine Torvorlage waren gute Werte für einen 18-Jährigen in seiner Premierensaison, doch schon im zweiten Profijahr sollte es zu einem Wendepunkt kommen. Ein Wendepunkt, der für den Waldkraiburger Ullmann ausgerechnet mit einem Bayern zu tun haben würde- mit Hans Zach, dem „Alpenvulkan“ aus Bad Tölz.

„Du hast ein zartes Gesicht – wie meine Frau“

Zach kommt von den Kassel Huskies nach Köln, ist gleichzeitig Bundestrainer. „Ich dachte mir: Jetzt kommt ER. DER Förderer des deutschen Eishockeys. Wenn ich es bei dem nicht schaffe“ erinnert sich Ullmann an seine damaligen Gedanken. „Ich wollte alles versucht haben, habe in diesem Sommer so hart trainiert wie nie zuvor. Sechs Tage die Woche in Doppelschichten.“ Doch es war alles andere als Liebe auf den ersten Blick- im Gegenteil: „Er war nicht der Spielertyp, den ich gern hatte“ schildert Zach seinen ersten Eindruck vom damals 19-jährigen Angreifer. „Er war ein bisschen ein Künstler. Hatte kämpferisch die richtige Einstellung, aber arbeitete nicht so körperlich wie ich das eigentlich immer wollte“ so die inzwischen 74 Jahre alte deutsche Eishockeylegende. Ullmann macht unter Zach 28 Spiele und erzielt sein erstes Tor in der DEL - allerdings auch nicht mehr. Zwar werden die „Haie“ Vizemeister, doch es läuft nicht für Ullmann persönlich und es läuft nicht mit dem Alpenvulkan aus Tölz. „Hans forderte immer, ich solle mit mehr Körpereinsatz spielen. Einmal im Training meinte er, ich hätte so ein zartes Gesicht wie seine Frau und ich soll mehr reingehen“ erinnert sich Ullmann, der dann aber keine Chance bei mehr bei Zach hat: „Ich sollte in den Kraftraum und arbeiten. Aber nicht für Köln. Nur um mich für einen Wechsel empfehlen zu können, denn unter ihm würde ich nicht mehr spielen“ so Ulle über eine Zeit, in der er erstmals die dunklen Seiten des Profigeschäfts kennenlernte. „Das war ein extrem harter Weggang und ich verstand die Welt nicht mehr. Aber man versteht Hans Zach erst so richtig, wenn man nicht mehr für ihn spielt. Dann erkennt man, warum er mit einem umgeht, wie er mit einem umgeht. Mir haben damals die älteren Spieler gesagt: Wenn er Dich anschreit, hat er noch Hoffnung“ erklärt Ullmann die Beziehung. Zach hatte Hoffnung für Ullmann, wusste aber, dass sich diese in Köln nicht erfüllen würde. Er sollte Recht behalten - doch dazu später.

Von Zach verjagt, von Zach nominiert

Ullmann wechselt nach Mannheim, dem zu diesem Zeitpunkt fünfmaligen deutschen Meister. In 51 Hauptrunden-Spielen kommt er für die Adler auf 20 Scorerpunkte; im Playoff-Viertelfinale gegen die Hamburg Freezers ist dann zwar früh nach sechs Spielen Schluss, doch Ullmann macht sein erstes DEL-Playoff-Tor und er wird erstmals nominiert für die deutsche Nationalmannschaft. Von dem Mann, der ihn in Köln nicht haben wollte: Bundestrainer Hans Zach. Ausgerechnet. „Ich wollte erst gar nicht hin und hab gefragt ob ich muss. Doch Mannheim war stolz, Nationalspieler zu haben und wollte mich abstellen“ erinnert sich Ullmann an sein Debüt bei der A-Mannschaft, zu deren Kern er von nun an bis 2016 zählen würde. Das Aufeinandertreffen mit Zach lief aber anders als erwartet: „Er hat gelacht, mich in den Arm genommen und mir erklärt, dass der Wechsel aus Köln seiner Meinung nach die einzige Lösung war, damit ich mich nur auf den Sport fokussiere“ so Ullmann. „Ich habe mir damals nur Gedanken gemacht, wann ich am Abend wo in Köln mit wem was essen gehen würde und war in erster Linie nur stolz drauf, das Auto mit dem Hai drauf durch die Stadt fahren zu können“ sagt Ullmann inzwischen über seine ersten Profijahre. So hart die Lektion war, ihre Wirkung verfehlte sie nicht. Mit 21 Jahren macht er im zweiten Jahr bei den Adlern 62 Spiele, erzielt 12 Tore und legt 13 Treffer auf. Mannheim wird nach starker Leistung in den Playoffs Vizemeister und unterliegt im Endspiel Berlin. Im Jahr drauf verpasst Mannheim erstmals die Playoffs in der DEL, mit 26 Scorerpunkten in 52 Partien hat Christoph Ullmann aber seine bis dahin punktbeste Spielzeit. Die Fans waren stinksauer nach der enttäuschenden Saison ohne Playoffs, doch im Folgejahr gewann Mannheim die Fans seiner Anhänger schnell zurück. Mit offensivem Powereishockey eilte das Team von Greg Poss und Teal Fowler von Sieg zu Sieg, gewann im Februar den DEB-Pokal und beendete die Hauptrunde als Erster. Nach Frankfurt im Viertelfinale und Ullmanns Ex-Klub Köln im Halbfinale, wartete im Endspiel Nürnberg. Mit einem glatten 3:0-Sweep in der Best-of-5-Serie hatten die Mittelfranken nicht den Hauch einer Chance, die Adler waren Deutscher Meister 2007 und Christoph Ullmann erzielte im dritten Finalspiel den Treffer zum 5:2-Endstand. Er hatte nun seinen Platz in den Mannheimer Geschichtsbüchern, verließ den Verein ein Jahr später aber, um erneut in Köln anzuheuern. Im Viertelfinale der Playoffs der Saison 2007/ 2008 waren die Kölner als Sieger aus der Serie gegangen, unter anderem nach dem rekordträchtigen dritten Spiel in Köln: 169 Minuten, oder neun Drittel dauerte das bislang in Deutschland einmalige Spektakel. Von Krämpfen nach den Wechseln geplagt, gaben weder die Haie noch die Adler mit Ullmann nach und erst um 00:09 Uhr am Ostersonntag endete damals die Partie, die am Samstag zuvor um 17:30 Uhr gestartet war.

Zweiter Anlauf bei den Kölner Haien und Heim-WM 2010

Drei Jahre geht Ulle nochmals für die Kölner Haie aufs Eis, doch obwohl er inzwischen eine feste Größe im Eishockey-Oberhaus ist, reicht es nicht, um mit den Haien wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Im ersten Jahr wird der KEC Vorletzter nach der Vorrunde, Ullmanns Erfolg neben 48 Punkten (20 Tore) in 49 Spielen: Mit vier Treffern in Unterzahl erzielt er mit die meisten „Shorthander“ der Saison. Die Saison drauf (34 Spiele, 9 Tore, 21 Assists) ist nach den Pre-Playoffs gegen Ingolstadt früh Sommerpause, Meister wird in diesem Jahr sensationellerweise Hannover- an der Bande der Hannoveraner steht übrigens ein gewisser Hans Zach. Im letzten seiner drei Jahre in Köln (57 Spiele, 52 Punkte bei 24 Toren) setzen sich die Haie in den Pre-Playoffs gegen den EHC München mit 2:0 durch, Ullmann traf dabei im zweiten Spiel der Best-of-Three-Serie zum zwischenzeitlichen 4:1 (Endstand 4:3). In den anschließenden Playoffs gibt es in der ersten Runde gegen Wolfsburg aber nichts zu holen. Mit dem Adler auf der Brust spielt Christoph Ullmann insgesamt bei 10 Weltmeisterschaften im Herrenbereich, als schönste WM bezeichnet er heute noch das Turnier im eigenen Land 2010: „Wir kamen bis ins Halbfinale, das war Wahnsinn. Und das Spiel zum Auftakt auf Schalke gegen die USA vor über 80.000 Zuschauern war natürlich etwas ganz Besonderes“ erinnert sich Ullmann, damals einer der großen Leistungsträger. In Gelsenkirchen gab es zudem wieder mal ein Wiedersehen, mit dem alten Bekannten aus Bad Tölz: „Bevor wir unser Spiel hatten, gab es ein Legendenspiel“ erzählt Ullmann. „Da war natürlich auch Hans Zach dabei. Wir Spieler sind alle schon mal auf die Spielerbank, wollten bißchen die Atmosphäre aufsaugen- dann lief der Hans ein (lacht). Alle Mann sind sofort aufgesprungen, haben gegrüßt und sich vorgestellt.“

Den deutschen Adler tauschte er im Liga-Alltag 2011 wieder gegen den Mannheimer, denn Köln war in finanzielle Schieflage geraten. Ein angebotener 3-Jahresvertrag ließ ihn nicht lange zögern, auch weil seine Frau Nadine aus Mannheim stammt, der gemeinsame Sohn Lennox gerade geboren war und auch sportlich hier ein besonderes Wiedersehen wartete. Denn seit 2010 war Harold Kreis Cheftrainer in Mannheim. Ausgerechnet. „Er hatte sich in der Liga etabliert, das war der erwachsene Christoph Ullmann, ein echter Profi der sehr viel Verantwortung auf dem Eis und auch für den Klub übernimmt“ erinnert sich der Bundestrainer. „Er war damals seiner Zeit ein wenig voraus. Er brauchte Raum, um sein Spiel zu entfalten. Spieler wie er damals, sind heute viel mehr zu sehen. Spieler, die für das Unterhaltsame im Eishockey sorgen- und er war so einer, der für das Unterhaltsame, das Offensive gesorgt hat“ so Kreis weiter. Unterhaltsam und erfolgreich war Ullmanns zweite Zeit bei den Adlern aus Mannheim in jedem Fall: Gleich im ersten Jahr, der Saison 2011/ 2012, kamen die Baden-Württemberger bis ins Endspiel der DEL, mussten sich in einer dramatischen Best-of-5-Serie über die volle Distanz aber den Eisbären Berlin geschlagen geben. Christoph Ullmann machte insgesamt 54 Spiele, legte 26 Treffer auf und erzielte 25 Tore- allein drei davon in den fünf Final-Partien. Im Jahr drauf (40 Spiele, 13 Tore, 11 Assists) warfen ihn Verletzungen zurück und auch für die Adler verlief die Spielzeit mit dem Playoff-Aus im Viertelfinale gegen Wolfsburg als Vorrundenmeister enttäuschend. 2013 sollte es besser werden, doch es wurde eine Saison vieler Hochs und Tiefs, die am Ende des Jahres das Ende von Harold Kreis hinter der Bande bedeutete, dann jedoch abermals ein besonderes Wiedersehen für Ullmann bereithielt. Am Silvesterabend beendete Hans Zach nämlich seinen Ruhestand und kehrte bis zum Saisonende an die Bande der Adler Mannheim zurück. „Um den Christoph musste ich mich da aber nicht kümmern“ erinnert sich Zach. „Da passierte so viel anderes um die Mannschaft herum, da habe ich den Fokus drauf gelegt.“ Mit dem Zuchtmeister Zach kamen die Adler zwar in die Playoffs, doch im Viertelfinale, in dem Ullmann (39 Spiele, 10 Tore, 11 Assists) erneut wegen einer Verletzung passen musste, war früh Schluss gegen Köln. Der große Coup sollte ein Jahr später folgen. Eine neu aufgebaute Mannheimer Mannschaft eilte von Sieg zu Sieg und beeindruckte mit ihrem starken Zusammenhalt. Im Viertelfinale bezwang Ullmanns Team Nürnberg, im Halbfinale gegen Wolfsburg lag man nach dem Sieg im ersten Spiel der Serie in allen folgenden Partien immer zwischenzeitlich mit drei Toren zurück, dennoch gewann am Ende immer Mannheim. Die Krönung für Ullmann (64 Spiele, 15 Tore, 19 Assists) dann am 22. April 2015: Im sechsten Spiel der Finalserie gegen Ingolstadt, in der die 47 zwei Tore erzielt, holen sich die Adler den vierten Sieg. Mannheim ist zum siebten Mal, Ullmann zum zweiten Mal deutscher Meister. Die folgenden drei Jahre schaffen es die Adler zwar jedes Mal mindestens in die Pre-Playoffs, das höchste der Gefühle ist jedoch der Halbfinaleinzug 2018. Ullmann macht ihn diesen drei Jahren noch 162 Spiele für Mannheim, bereitet dabei 33 Treffer vor und erzielt 38 Tore selbst. Der wichtigste Treffer für ihn ist der am 14. Oktober 2016: Beim 4:2-Heimsieg gegen Bremerhaven erzielte er sein 151.Tor für die Adler und wird damit Rekordtorschütze der Mannheimer Vereinsgeschichte. Erst vor zwei Monaten konnte Matthias Plachta ihn auf den zweiten Platz verdrängen.

Die große Ehrenrunde verwehrt ihm die Pandemie

2018 endet seine Zeit als Spieler in Mannheim endgültig. Ein erneuter Kaderumbau zwingt Christoph Ullmann zum Abschied. Angebote gibt es genug, doch der inzwischen 35-Jährige entscheidet sich für Augsburg. „Die Stimmung dort war immer überragend, der Klub arbeitete gut und auch das Team hatte Potenzial“ erklärte Ullmann seinen Wechsel. Außerdem ist er mit dem ICE schnell bei Frau und den inzwischen zwei Kindern im Eigenheim in Mannheim. Knapp scheitern die Augsburger im ersten Jahr Ullmanns (54 Spiele, 7 Tore, 7 Vorlagen) im Halbfinale am EHC Red Bull München (3:4 in der Serie), dass er das überhaupt noch erlebt, verdankt er dem Düsseldorfer Teamarzt Ulf Blecker. Im Viertelfinale gegen Düsseldorf rutscht ihm bei einem Check die Zunge in den Hals, er wurde bewusstlos und drohte zu ersticken. Dem beherzten Eingreifen des Düsseldorfers Blecker verdankte der ehemalige Kölner daher bis heute sein Leben. Ausgerechnet.

Im Dezember der Folgesaison kündigte er an, dass nach der Spielzeit 19/20 für ihn endgültig Schluss sei. „Es ist für mich an der Zeit, den jungen Cracks die Eisfläche zu überlassen“ verkündete Ullmann über seinen Instagram-Kanal. Er wolle die Saison mit Augsburg gut zu Ende bringen und nochmals Playoff-Luft schnuppern erklärte er weiter. Doch daraus sollte am Ende nichts werden- die eingangs erwähnte Verletzung war schwerwiegender als geahnt: „Ich glaube, selbst wenn wir das Finale erreicht hätten, wäre es schwer geworden“ gibt Ullmann zu. Wegen Corona wurde dann im März 2020 die ganze Saison abgebrochen. Keine Ehrenrunde im Stadion also. Still und heimlich und durch die Hintertür ging es für den allseits für seine Sprüche und Humor beliebten „Ulle“ in den Ruhestand. Ausgerechnet. „Er hat eine sehr gute Karriere gehabt, hat sich charakterlich nichts zuschulden kommen lassen, das ist immer wichtig“ sagt Hans Zach. „Er hatte immer Spaß und Freude im Eishockeysport, hat eine nette Familie. Er soll bleiben wie er ist. So nett und angenehm, dann passt das. Mehr muss man da nicht sagen“ so Zach in einem für seine Verhältnisse echten Gefühlsausbruch. Der aktuelle Bundestrainer Harold Kreis geht noch weiter: „Wenn ich mir seine Karriere anschaue, seinen Beitrag für das deutsche Eishockey und seine Persönlichkeit- ich finde, dann gehört er in die Hall of Fame des deutschen Eishockeys. Er ist für mich ein Gentleman des Sports, wenn ich das so sagen darf. Ein sehr kompetitiver und kompletter Spieler. Auch war er für mich immer ein sehr fairer Spieler mit guten Charakterzügen. Einfach ein „great representative of the sport.“

Am kommenden Wochenende wird UIlmann nun die Bühne bekommen, die einem Spieler seines Formats und seiner Vita gebührt. Am 3.10. ging er bereits in Waldkraiburg bei einem Legendmatch auf das Eis, auf dem er einst seine ersten Schritte machte und trat mit einer Löwen-All-Star-Truppe gegen die aktuell erste Mannschaft des EHC an. Am 10. November wird er sich in der SAP-Arena in Mannheim zusammen mit seinem ehemaligen Teamkollegen Marcus Kink von der Eishockeybühne verabschieden. Aufrecht, durch den Haupteingang und sicherlich nicht humpelnd.


ihp-interview-kleinGemeinsam haben Bundestrainer Harold Kreis und Christoph Ullmann viel erlebt im deutschen Eishockey. Anlässlich seines großen Abschiedsspiels am Freitag in der SAP-Arena zu Mannheim, blickt der Trainer des Eishockey-Vizeweltmeisters zurück.

Harold Kreis, wie haben Sie Christoph Ullmann kennengelernt und wie waren die ersten Eindrücke von ihm- als Mensch und als Eishockeyspieler.
Kreis: Mein erster Eindruck von ihm war: a) der Junge versteht was von Eishockey, Der hat das, was man eigentlich nicht lernen kann. Einen ausgeprägten Eishockey-Sinn. Und b), er hatte auch ein sehr, sehr ausgeprägtes Selbstvertrauen, um es mal so zu sagen (lacht). Ich will nicht sagen, er war un-coachable (untrainierbar). Aber er hatte schon seine Vorstellung, wie man spielt und sich nicht so sehr in Spielstrukturen hineinzwängen lassen. Das war für mich als junger Trainer nicht so einfach. Aber schon damals hast Du gesehen, dass er ein sehr, sehr guter Eishockeyspieler und sehr aufgeschlossen ist. Wie heute: Immer mit einem Lächeln im Gesicht. Wenn man sich nicht die Zeit genommen hat, ihn ein bisschen kennenzulernen, hätte man ihn als überheblich einstufen können; als jemanden, dem alles egal ist- aber das war überhaupt nicht der Fall.

War denn abzusehen, dass das mal eine Profikarriere werden würde?
Kreis: Das kann man schwer voraussagen, weil es kommen ja viele Sachen dazwischen. Aber vom Läuferischen, vom Stock-technischen und vom Spiel-Verständnis- das war schon sehr ausgeprägt bei Christoph. Alles andere kannst du lernen. Aber Spiel-Verständnis ist schwierig zu vermitteln, gerade in diesem Alter. Darum haben wir schon gedacht: Wenn er jetzt noch ein paar andere Sachen auf die Reihe kriegt, dann hat er sicher eine gute Chance, eine sehr erfolgreiche Karriere zu haben.

Wie hat er sich als Jugendlicher geschlagen? Es ist ja keine leichte Situation, als Jugendlicher vom Land aus Waldkraiburg nach Köln zu gehen, dort dann allein zu sein.
Kreis: Gut dass du mir das jetzt sagst ich. Ich bin der Meinung, er kommt aus der Großstadt. Also es ist ihm sehr gut bekommen. Ich habe ich das Gefühl gehabt, dass er sich da sehr gut eingelebt hat. Ich weiß jetzt nicht, ob da vielleicht auch Unsicherheit dabei war- er war noch ein junger Spieler, ja. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass er dort nicht hingehört oder dass er überfordert wäre mit so einer Stadt wie Köln.

2010 waren Sie in Mannheim Chef-Trainer und gleichzeitig Co-Trainer bei der Nationalmannschaft- mit dem inzwischen arrivierten Nationalspieler Ullmann. 2011 wechselte Christoph dann wieder nach Mannheim, für die er von 2003-2008 schon einmal gespielt hatte. Ein Wiedersehen nach 10 Jahren also.
Kreis: Bis dahin hat sich Christoph etabliert in der Liga als ein ganz hervorragender Spieler, und war auch in der Nationalmannschaft eine tragende Säule. Das war für mich der erwachsene Christoph Ullmann, wo es dann nicht mehr um die Ausbildung wie bei einem DNL-Spieler ging. Sondern das war wirklich ein echter Profi. Ein Eishockeyspieler der sehr viel Verantwortung auf dem Eis und auch für den Klub übernimmt. Es war ein sehr Augen öffnendes, angenehmes Wiedersehen.

Was hat dazu beigetragen, dass Sie so eine gute Beziehung haben als Trainer und Spieler?
Kreis: Ich mag ihn. Seine Art gefällt mir. Er ist sehr offen- wenn er irgendwas hat, dann kommt er zu dir und geht sehr offen mit allem um. Als ich selbst noch ein junger Trainer war- und da ist man selber noch nicht so sattelfest – hatte er immer entweder einen guten Punkt, oder er konnte sich gut aus einer Situation herausreden, so dass man nicht lange auf ihn sauer war (lacht) Das hat mir gefallen. Einfach diese, diese Interaktion mit ihm, diesen Dialog. Es gibt ja manche Sportler, das ist ein reiner Monolog. Aber mit Christoph war das nie der Fall. Der war immer jemand, der seine Meinung gesagt hat, immer jemand, der lebendig und Energie in das Gespräch oder in die Kabine hineingebracht hat.

Hatte er auch Schwächen?
Kreis: Ich glaube, der Christoph war unbewusst seiner Zeit ein bisschen voraus. Das waren damals viele Spieler, die durch die Technik einen ausgeprägten Sinn für das offensive Eishockey hatten. Ich will jetzt nicht sagen, dass er nicht gut defensiv gespielt hat, aber so wie ich ihn in Erinnerung habe, war er einfach offensiv ein sehr gefährlicher Spieler. Und heutzutage gibt es mehr Spieler dieser Art, die irgendwie etwas Spektakuläres machen, auf Kosten der Defensive oder auf Kosten eines Spielsystem. Das war Christoph nur bedingt- er hat schon Sachen probiert, die vielleicht nicht zwingend zum Spielplan passten. Das würde man heute Kreativität nennen. Das sind aber die einzigen Punkte, das man sich an der Scheibe ab und zu eine andere Entscheidung gewünscht hätte. Aber sonst kann ich keine großen Schwächen nennen. Er war auch diszipliniert und hat wenige Strafzeiten genommen.

Wie würden Sie Ihre eure Beziehung generell beschreiben?
Kreis: Also wenn er meinte, ich bin einer der Trainer, die etwas Nettes über ihn sagen würden- Ja, das stimmt. Meine Zeit in Mannheim ist nicht gut zu Ende gegangen, was an mir lag und nicht an Christoph. Ich habe seine Art immer mehr mögen gelernt, weil er ein Herzensguter ist und die Dinge leicht nimmt, aber nicht zu leicht. Wie man das aus Trainersicht manchmal hätte meinen können. Insofern freue mich immer, wenn ich ihn sehe. Und wir haben dann immer noch offene und gute Gespräche.

Wie musste man als Trainer mit ihm umgehen?
Kreis (beginnt bei der Frage schon zu lachen): Also jetzt im Nachhinein kann ich ja gut reden, oder? Man musste ihm wirklich Raum geben, um seine Fähigkeiten auszuspielen. Das habe ich damals nicht so kapiert. Das Korsett darf nicht zu eng sein bei ihm. Er brauchte einfach Raum um seine Spielfähigkeiten wirklich zu entfalten. Das Eishockey hat sich auch ein bisschen gewandelt. Spieler wie er damals sind heute viel mehr zu sehen. Spieler, die für das Unterhaltsame im Eishockey sorgen. Und er war so ein Spieler, der für das Unterhaltsame, für das Offensive gesorgt hat. Und das hat ihn sicher auch so beliebt gemacht in der Liga oder in den Clubs, in denen er gespielt hat.

Es scheint wirklich niemanden zu geben, der böse über ihn spricht- auch eine großartige Leistung.
Kreis: Ja, er ist wirklich so ein Zeitgenosse, mit dem man sich gut unterhalten kann. Man kommt gleich mit ihm in Verbindung, er gibt einem ein gutes Gefühl im Gespräch. Und auch die Bewerbung Deutschlands für die Eishockey WM 2027 die er vorgestellt hat- das hat er fantastisch gemacht. Das war eine Seite die ich von ihm noch gar nicht kannte. Aber wenn ich drüber nachdenke überrascht es mich nicht, weil er schon immer gut sprechen konnte (lacht) und auch immer sehr lebendig in die Gespräche hineingeht.

Bei der letzten WM in Deutschland, im Jahr 2010, waren Sie Co-Trainer an der Seite von Uwe Krupp. Deutschland wurde sensationell Vierter, siegte zum Auftakt auf Schalke vor knapp 80.000 Zuschauern gegen die USA. Welche Rolle hatte Christoph in dieser Mannschaft, zu dieser Zeit?
Kreis: Er war zwar nicht alleine: Da waren noch Kai Hospelt, Marcel Goc, Michael Wolf, Sven Felski- das war so eine Gruppe an Spielern, die sich auch sehr gut verstanden haben. Aber ja, Christoph gehörte auch damals sicher zu den Leistungsträgern, nicht nur auf dem Eis, sondern auch in der Kabine.

Hatten Sie auch mal Krach miteinander?
Kreis: Nicht, dass ich mich erinnern kann. Es gibt heute ein paar Spieler, die sagen zu mir: Damals, als ich 18 war, da hast Du mich erwischt, als ich mich aus dem Hotel rausgeschlichen habe und Du warst sauer. Aber da kann ich mich gar nicht mehr erinnern (lacht). Also, ich kann mich an keine Situation erinnern, überhaupt nicht.

Gibt es besondere Momente oder Spiele, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind? Ein prägendes Erlebnis vielleicht?
Kreis: Ja, da gibt es schon etwas. Da habe ich die Mannschaft und auch ihn ein bisschen im Stich gelassen. Im DEL-Finale 2012 in Spiel 4, als wir gegen Berlin 5:2 geführt und am Ende 5:6 verloren haben. Christoph hatte in dem Spiel auch ein Tor gemacht. Da habe ich ein paar Sachen gesagt, die Mannschaft kritisiert- das würde ich gerne zurücknehmen. Weil er auch im Team war, gehörte er da leider mit zum „Kollateralschaden“.

Inwieweit blieb ihr Kontakt bestehen?
Kreis: Der Kontakt war eher zufällig, meist durch meine Tochter. Meine Tochter ist mit Youri Ziffzer (ehemaliger DEL-Torhüter) verheiratet und er und Christoph sind gut befreundet. Ab und zu habe ich ihn dann auch in der Nachbarschaft gesehen, wenn er die Kinder abgeholt hat, aber das waren eher zufällige Treffen.

Es ist aber schon etwas Besonderes im Eishockey, dass Trainer auch nach Jahren noch zu gewissen Spielern noch Kontakte pflegen.
Kreis: Ja, wir haben einfach viele Spieler, die bleiben in der Liga und gehen nicht ins Ausland, die wechseln Klubs innerhalb der Liga. Und wir haben auch nicht diese Riesen Umwälzungen an jungen Spielern, wie in anderen Ligen. Daher trifft man sich immer mindestens zweimal. Aber wir sollten trotzdem schon so etwas wie ein Alumni Programm machen, ein Event der Liga, wo man sich nochmal trifft- das ist hier noch ein bisschen unterentwickelt.

Haben Sie seine Karriere noch weiter verfolgt?
Kreis: Speziell als er mit Augsburg gegen Düsseldorf gespielt und seine Zunge verschluckt hat (Spiel am 30.03.19). Mein bester Freund ist Ulf Blecker, der Mannschaftsarzt von Düsseldorf. Er hat mir gesagt, dass das so knapp war. Er hat ihm das Leben gerettet. Das war wirklich ein Schreckmoment, als „Ulle“ in die Bande fliegt und die Zunge verschluckt. Gott sei Dank hat Ulf so schnell reagiert.

Ein Jahr später verletzte er sich vor den Playoffs, die wegen der Corona-Pandemie nicht stattfanden, weil die Saison vorzeitig beendet wurde.
Kreis: Ja bedauerlicherweise können sich viele Sportler ihr Ende nicht aussuchen. Das war bitter, auch für Christoph.

Wo sehen Sie ihn in der Zukunft? Könnte er Trainer werden? Co-Trainer von Harold Kreis vielleicht?
Kreis: (Lacht) Oh, ich weiß nicht, wie lange ich das noch mache, aber Du kennst den Christoph besser. Meistens hat man schon früh Lust, Trainer zu werden. Vielleicht kommt das bei ihm aber noch. Aber er macht doch jetzt Spieleragent. Ich glaube, da geht es ihm ganz gut und es gefällt ihm, sich in anderen Kreisen zu bewegen als nur in der Kabine und hinter der Bande. Das ist auch interessant und ich habe das Gefühl, das gefällt ihm ganz gut.

Sie sind in der Hall of Fame des deutschen Eishockeys. Schafft es Ulle da auch hin?
Kreis: Also, wenn ich mir seine Karriere anschaue, seinen Beitrag für das deutsche Eishockey und seine Persönlichkeit- Ja, ich finde, da gehört er hin. Er ist für mich ein Gentleman des Sports, wenn ich das so sagen darf. Ein sehr kompetitiver und kompletter Spieler. Auch war er für mich immer ein sehr fairer Spieler. Hat immer gute Charakterzüge gehabt und einfach ein „great representative of the sport“

  Freitag 10.November 2023
14:03 Uhr
Spieler:
    
  Christoph Ullmann
  
Bericht:
Autor:
  SKY
  mg
  www.icehockeypage.de
  

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